Top of the World Highway

Autor Bruno der Bär:

Heute lag eine 110 km lange, spektakuläre Route vor uns. Zuerst mit der kostenlosen Fähre über den Yukon River und dann ging es für die nächsten fünf Stunden über eine Schotterstrasse. Das Wetter war wechselnd. Von leichtem Regen, strahlender Sonne und Nebelschwaden wie im Meiental, erlebten wir alles. Der Highway ist einer der nördlichsten dieses Kontinents.

Dani war im siebten Himmel, auf dieser anspruchsvollen Strecke. Er liebt es, solche Strassen zu befahren. Vielleicht wird er ja doch noch einmal noch Truckerfahrer…

Gabrielle beschrieb die Fahrt so: „Es ist als ob man durch den Himmel fährt. 360° schneeweisse Wolken wie riesige Wattenbäuschel. Grasgrüne Birkenwälder mit weissen Stämmen, Tannenbäume soweit das Auge reicht, deren Form eher an Pfeiffenputzer als an Christbäume erinnert. Abgebrannte Waldflächen, wie schwarze zum Himmel zeigende Mikadostäbchen und viele Drunken-Trees. Diese Bäume wachsen und sterben dann ab, sobald sie von sich neu bildenden Sümpfen ertränkt werden.“

In der Ferne erschienen uns zwei kleine Häuschen mit einer kanadischen und einer amerikanischen Flagge. Immer noch auf dem Top of the World Highway, zwei Stunden weg von jeglicher Zivilisation entfernt. Grenzkontrolle CAN Yukon – USA Alaska. Ein US-Officer schwer bewaffnet und ernster Miene. Wohin, warum, wielang? Waffen, Drogen, Feuerwerk, Feuerholz?! Wohl etwas enttäuscht, dass wieder kein Schmuggler unterwegs war, liess er uns ziehen und wir durften unsere Reise fortsetzen. 

Es würden noch weitere Grenzkontrollen – Danis Lieblingsdisziplin – folgen.  Alaska (USA) – Yukon (CAN) bei Beaver Creek, British Columbien (CAN) – Alaska (USA) bei Haines und wieder BC – AK bei Skagway, bevor wir wieder zurück in Whitehorse, Yukon waren.

So und endlich lernte ich meine Artgenossen kennen! Am Abend ein Schwarzbär, gemütlich über die Strasse trottend. Auf der Weitfahrt am nächsten Tag erspäte unser Fahrer – liebevoll von seinen Jagdkollegen als Hirschauge bezeichnet – einen Grizzly, Familie der Braunbären. Kurz darauf zeigt sich noch ein Zweiter! Meine Verwandten ernähren sich hauptsächlich vegetarisch, geniessen aber auch gerne mal einen Lachs, wenn diese im Spätsommer die Flüsse hinauf strömen. Bären gibt es in allen Farbnuancen. Von hell- bis dunkelbraun. Der Grizzly ist dank seinen grossen und markanten Schulterhöcker einfach von einem Schwarzbär zu unterscheiden.

Der Kalorienbedarf eines Grizzly ist ca. 20 Tausend Kalorien pro Tag. Das entspricht etwa 40 kg Beeren, Nüsse und Samen. So sammelt er genügend Winterspeck an um im Frühling wieder aus der Höhle zu kommen.

Ein Elch lies sich auch noch blicken. Bei dieser Gattung tragen beide Geschlechter ein Geweih und stossen es jedes Jahr ab, bis es im Spätfrühling wieder nachgewachsen ist. Also wie bei den Rehen.